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Zu den wertvollsten Stücken der Benin-Sammlung gehört diese
Miniaturmaske aus Elfenbein. Weltweit gibt es nur ca. 4 Vergleichsstücke. Sie wurde
als ein Ahnenobjekt über Jahrhunderte geehrt und gehütet. Dargestellt ist die
Königinmutter ("Iyoba") Idia, Mutter des 17. Oba Esigie (amtierte 1504-1550). Die
Königinmütter hatten generell eine sehr starke und unabhängige Stellung im Königreich.
Sie erzogen den künftigen König, lebten nach dessen Inthronisierung aber in einem
eigenen Palast. Der amtierende Oba durfte keinen direkten Kontakt unterhalten und
holte ihren Rat über Dritte ein. Manche, wie insbesondere die hochverehrte Idia,
traten auch als große Heerführerinnen in Erscheinung. Idia sicherte so die Herrschaft
ihres Sohnes gegen Gegner im Inneren wie Äußeren. Dabei war ihr politischer Rat ebenso
wichtig, wie ihre magischen Kräfte und ihr Wissen über "Medizin". Dementsprechend ist
Idia hier mit stilisierten Welsen über dem Kopf dargestellt (der Zitterwels kann
gefährliche elektrische Stromstöße austeilen). Die Ziernarben auf der Stirn waren mit
Eisen eingelegt. Um ihr Gesicht trägt sie gelbe Glas- und rote Korallperlen, wertvolle
Handelsware von den Portugiesen, die kurz zuvor Handelskontakte mit Benin aufgenommen
hatten. Die großen, leicht hervortretenden Augen sind typisch für die Darstellung von
Ahnen. Getragen wurde die Maske während bedeutender Zeremonien am Königshof.
Möglicherweise trug der König sie am Gürtel, wie es für verschiedene Maskentypen in
Benin belegt ist. Dagegen spricht das Fehlen von Befestigungsmöglichkeiten wie Stegen,
sowie die Patina auf der Rückseite des Objekts. Es ist daher auch eine andere Tragart
denkbar, etwa vor der Brust hängend. Text: Dietmar
Neitzke.
National Commission for Museums and Monuments,
Nigeria
Provenienz und Quellen
Herstellung
wann
16. Jahrhundert
Quelle(n)
Archiv Linden-Museum, Liste 2405, Dok. Antrag Hans Rhotert
an das Kultusministerium Baden-Württemberg, 19.03.1964, Betreff: Antrag auf Erwerb
einer Elfenbeinmaske aus Benin (Südnigeria); Jürgen Zwernemann, Die Benin-Maske des
Linden-Museums, in: Tribus 14 (1965), S. 149–159.
Besitzwechsel: Plünderung
wann
1897
wo
Königreich Benin
Beschreibung
Nach Aussage von Rhotert und Pitt Rivers wurde die Maske
bei der Erstürmung von Benin-Stadt versteckt in einer Eichenkiste in dem Schlafsaal
des Königs Ovonramwen Nogbaisi (ca.1850-1914) gefunden.
Quelle(n)
Archiv Linden-Museum, Liste 2405, Dok. Antrag Hans Rhotert
an das Kultusministerium Baden-Württemberg, 19.03.1964, Betreff: Antrag auf Erwerb
einer Elfenbeinmaske aus Benin (Südnigeria); Augustus Pitt Rivers, Antique Works of
Art from Benin. [Privatdruck — London], 1900, S. 12 und Taf. VI, Fig. 25 u.
26.
Bis in die 1930er Jahre verblieb das Objekt im Privatmuseum
der Familie Pitt Rivers in Farnham (Dorset, Süd-England), bis der Enkel, George Pitt
Rivers, es an das Händlerehepaar John und Gertrude Hunt
gab.
Dieses Objekt wurde mit 69 anderen Objekten des Königreichs
Benin gemäß der Vereinbarung zwischen den Trägern des Linden-Museums und der
Bundesrepublik Nigeria am 14. Dezember 2022 restituiert. Es ist jetzt Teil der
Sammlungen der National Commission for Museums and Monuments (NCMM) in Nigeria und
befindet sich bereits in Nigeria.